Automatische Abschaltung: Lass’ die Insulinpumpe machen!

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Automatische Abschaltung: Lass’ die Insulinpumpe machen!

Ist die Insulinpumpe mit einem Glukosesensor verbunden, kann die Insulinzufuhr unterbrochen werden – automatisch, also ohne dass der Nutzer/die Nutzerin eingreift. Wie die verschiedenen Pumpenmodelle arbeiten und wann es sinnvoll ist, die Alarmfunktion einzurichten, erklärt Kinderdiabetologe Dr. Torben Biester.

Inzwischen gibt es mehrere Modelle von Insulinpumpen, die in Verbindung mit einem Glukosesensor die Insulinzufuhr unterbrechen können. Das Tolle an den aktuellen Modellen ist, dass die Insulinzufuhr auch schon vor dem Erreichen niedriger Werte ausgeschaltet wird, Unterzuckerungen können so also verhindert oder abgemildert werden. Damit die automatische Abschaltung aber eine Unterstützung und keine Last wird, sollte bei der Anwendung einiges bedacht werden.

Der stille Abschaltzeitpunkt

Damit eine Pumpe Unterzuckerungen verhindern kann, „schaut“ das Gerät 30 Minuten in die Zukunft und berechnet den Wert, der dann erwartet wird. Liegt dieser Wert unter dem programmierten Grenzwert, wird die Abgabe der Basalrate unterbrochen und noch laufende Boli werden gestoppt. Dies gilt sowohl für die Funktion „Abschalten vor Niedrig“ (MiniMed u. Paradigm/Medtronic) als auch für „Basal-IQ“ (Tandem). Zum Zeitpunkt der Abschaltung ist der aktuelle Wert noch deutlich höher als die programmierte Grenze und kann auch noch über 100 mg/dl (5,6 mmol/l) liegen.

Ein Alarm, der ja ein Warnzeichen ist, würde zu diesem Zeitpunkt zumeist zu Aktionismus führen, da er ja auf potentiell niedrige Werte aufmerksam macht. Im besten Fall verhindert der Automatismus, dass es überhaupt zu einer Unterzuckerung kommt, ohne dass die Anwenderin eingreifen muss. Daher könnte ein Alarm beim Abschalten eher stören als nutzen. Also: KEIN Alarm beim „Abschalten vor Niedrig“! Ein weiterer Grund, zu diesem Zeitpunkt auf Alarme zu verzichten, ist, dass es nicht zu einer Gewöhnung an Alarme ohne Handeln kommen sollte.

Die Unterzuckerung

Anders sieht es aus, wenn es trotz der Abschaltfunktion zu einem niedrigen Wert kommt. Dann sollte ein Alarm erfolgen, denn dann hat die Insulinabschaltung offenbar nicht ausgereicht. Bei einem Niedrig-Alarm sollte die Anzeige überprüft werden. Zeigt der Trendpfeil schon wieder nach oben, ist erst einmal keine weitere Maßnahme nötig. Bei einem geraden Pfeil und Wohlbefinden auch nicht. Zeigt der Pfeil trotz Abschaltung weiter nach unten, sollte eine Behandlung mit Traubenzucker erfolgen.

Hier ist aber zu beachten, dass unter Umständen schon fast bis zu 2 Stunden die Insulinzufuhr unterbrochen sein kann, dass also schon eine Insulinlücke besteht. Zu hohe Kohlenhydratmengen können daher zu einem deutlichen Anstieg der Werte nach einem niedrigen Wert mit Abschaltung führen. Hier kann es hilfreich sein, mit ganz geringen Mengen zu starten, z. B. mit 2,5 g (ein runder kleiner Apotheken-Traubenzucker), der möglicherweise schon ausreicht.

Die Pumpe Tandem t:slim X2 schaltet bei einer Trendumkehr die Insulinzufuhr wieder ein, bei den Medtronic-Pumpen mit vorausschauender Abschaltung dauert es etwas länger, es muss erst ein deutlicher Trend erkennbar sein. Daher sollte bei Benutzung einer Medtronic-Pumpe bei einer Behandlung die automatische Unterbrechung beendet, also die Basalrate wieder eingeschaltet werden, um hohe Werte nach dem Ereignis zu
vermeiden.

Ansicht eines Tages im CareLink-Programm, MiniMed 640G-Pumpe. In der Nacht wurden Unterzuckerungen erfolgreich verhindert (blaue Unterbrechungen im grünen Insulinverlauf unten). Mittags gegen 13 Uhr wurden nach fast einstündiger Insulinabschaltung viele Kohlenhydrate aufgenommen. Die Folge ist ein steiler Anstieg bis auf 230   mg/dl (12,8 mmol/l).
Auch im AutoModus (automatische Steuerung der Basalrate im Hybrid-Closed-Loop) der Pumpe MiniMed 670G sollte man Unterzuckerungen mit wenigen Kohlenhydraten behandeln: Beim Unterzuckerungsalarm um kurz vor 9 Uhr morgens (graue Glocke) war das Insulin schon über eine Stunde pausiert (keine rosa Insulinabgabe zu sehen). Durch die Kohlenhydratgabe ist es zu einem Anstieg bis auf 190 mg/dl (10,5 mmol/l) gekommen.

Ansicht eines Tages mit der Pumpe t:slim X2 und dem Programm Diasend. Oben sieht man den Verlauf der Sensorkurve, unten das abgegebene Insulin (blau). Die roten Balken markieren die automatischen Insulinabschaltungen. Im Verlauf der Nacht ist es zu mehreren Abschaltungen gekommen, aber eine Unterzuckerung wurde verhindert. Passiert das mehrere Nächte in Folge, sollte die Basalrate reduziert werden. Gegen 12 Uhr mittags ist es trotz Abschaltung zu einer Unterzuckerung gekommen. Ob die Basalrate zu dieser Uhrzeit, der Bolus um 10 Uhr oder andere Ereignisse des Tages dafür verantwortlich sind, ist rein aus den Daten nicht ersichtlich und sollte anhand der konkreten Erinnerungen diskutiert werden.

Merke:

  • Gibt es wiederholte Abschaltmuster – ist also z. B. erkennbar, dass die Pumpe jede Nacht für eine Zeit ausschaltet – sollte die Basalrate angepasst, also das Insulin reduziert werden
  • Wenn es die Symptome und Trendpfeile zulassen, sollte eine Unterzuckerung erst einmal mit einer ganz geringen Traubenzuckermenge behandelt werden.
  • MiniMed 640G-Pumpe: Die Unterbrechung sollte direkt nach der Behandlung mit Kohlenhydraten beendet werden.
  • Die Programmierung und Nutzung der Abschaltfunktionen sollte nur nach Schulung und in Absprache mit dem behandelnden Diabetesteam erfolgen. Auch die Auswahl der Alarme sollte besprochen und individuell angepasst werden.

von PD Dr. med. Torben Biester

Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2020; 12 (4) Seite 8-10

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Tag, 10 Stunden

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Tagen, 3 Stunden

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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