- Eltern und Kind
Nachgefragt | Psychologie: Belastung durch Diabetes-Technologie am Körper von Leni – was tun?
3 Minuten
Ein Schwimmbadbesuch, Tränen und das plötzliche Bewusstsein, wie anders der Alltag durch all die Diabetes-Technologie am Körper geworden ist. Prof. Dr. Karin Lange erklärt, wie Eltern mit solchen Momenten der Belastung und emotionalen Überwältigung umgehen können.
Die Frage
Nachdem unsere Tochter Leni (4 Jahre) vor zwei Monaten an Diabetes erkrankt ist, haben wir es inzwischen geschafft, ihre Behandlung ganz gut in unseren Alltag einzubauen. Mit dem Diabetesteam, das uns von Anfang an liebevoll begleitet hat, sind wir sehr zufrieden. Leni hat gleich eine Insulinpumpe und kurz danach ein CGM-System bekommen. Das beruhigt uns vor allem nachts.
Letzte Woche ging es zum ersten Mal nach der Diagnose ins Schwimmbad. Leni ist eine richtige Wasserratte und hatte sich schon seit Tagen darauf gefreut, endlich wieder mit ihren Freundinnen im Wasser toben zu können. Als ich beim Ausziehen die ganzen Geräte an meiner Tochter sah, konnte ich meine Tränen plötzlich nicht mehr unterdrücken. Alle anderen Kinder hatten hübsche Badesachen, waren unbeschwert – und unsere Leni … mit Katheter, Pumpe, Sensor am Körper!
Leni verstand erst gar nicht, was mit mir los war, ich sollte nur rasch die Pumpe abkoppeln, damit sie ins Wasser durfte. Was hätte ich ihr auch sagen oder erklären sollen? Jetzt habe ich Angst vor dem nächsten Besuch im Schwimmbad.
Frau T.
Die Antwort von Prof. Dr. Karin Lange
Liebe Frau T., Ihre Tränen sind nur zu verständlich. Während der ersten Tage nach der Diagnose versuchen viele Familienmitglieder, stark zu sein, ihr Kind zu unterstützen und möglich viel zu erfahren, um die komplizierte Behandlung so gut wie möglich zu erlernen. Für berechtigte Traurigkeit und die seelische Verarbeitung der Krankheit bleibt weder Zeit noch Gelegenheit. Außerdem möchten Eltern ihr Kind nicht zusätzlich mit den eigenen Sorgen belasten. Man funktioniert eben.
Und Vierjährigen gelingt es oft überraschend gut, sich mit Spritzen oder einer Pumpe zu arrangieren. Gedanken um die Zukunft oder über Risiken durch den Diabetes machen sie sich noch nicht – sie könnten es auch noch gar nicht. Wenn der normale Alltag mit Kindergarten, Freunden und z. B. Schwimmen wieder möglich ist, tritt der Diabetes für sie wieder in den Hintergrund.
Die Leichtigkeit ist weg…
Für Sie als Mutter – genau wie für viele andere Eltern in Ihrer Situation – wird im Alltag deutlich, dass durch den Diabetes vieles anders geworden ist, das Kind mehr Aufmerksamkeit braucht, Sie ständig gefordert sind und die alte Leichtigkeit durch besorgte Wachsamkeit überlagert wird. Dann braucht es nur einen kleinen Auslöser, der zeigt, dass Ihr Kind “anders” als die gleichaltrigen Freundinnen ist.
Die modernen Technologien, Pumpe und CGM, haben erheblich zur Verbesserung der Behandlung kleiner Kinder und zu ihrer Sicherheit beigetragen. Sie zeigen aber auch jeder anderen Person und in jedem Moment, dass ein Kind an Diabetes erkrankt ist. Das war früher mit Insulinspritzen und Blutzuckermessungen nicht ganz so offensichtlich. Unabhängig davon kommt es bei vielen Eltern von Kindern mit Diabetes zu einer Situation, in der ihnen die Tragweite des Diabetes plötzlich bildlich vor Augen steht – wie bei Ihnen im Schwimmbad.
Antworten auf Ihre Fragen zu psychologischen Aspekten bei Kindern mit Diabetes
Alle Eltern haben ein Recht darauf, ihre Trauer wegen des Diabetes auszudrücken, einmal zu weinen, sich zurückzuziehen oder sich mit dem Partner in Ruhe auszutauschen. Manchen hat auch eine psychologische Unterstützung oder ein Gespräch mit anderen betroffenen Eltern geholfen. Es braucht Zeit, um den ungebetenen Gast Diabetes, der einfach nicht wieder verschwinden will, im Alltag zu bändigen und nicht überwertig werden zu lassen. Dies können Kinder im Alter von Leni noch nicht verstehen.
Wahrscheinlich hat Leni Ihre Tränen längst vergessen. In der Situation hätten Sie ihr sagen können, dass Ihnen etwas sehr Trauriges eingefallen ist. Da hilft nur Weinen, damit es wieder besser wird. Auch Mamas und Papas weinen manchmal, wenn sie traurig sind. Das ist bei großen und kleinen Leuten normal.
Selbstsicher auftreten
Auf den nächsten Schwimmbadbesuch können Sie sich mit hilfreichen Gedanken vorbereiten. Für Leni wird es wieder ein Highlight werden, sie ist weiter das fröhliche, sportliche kleine Mädchen. Daran wird der Diabetes nichts ändern. Die Pumpe lässt sich schnell ablegen, und der Sensor wird mit einem Tape farblich passend zu ihrem Badeanzug abgeklebt. Die hilfreichen Geräte sind da, aber sie stehen nicht im Vordergrund. Je weniger Sie darauf bewusst achten, umso mehr verschwinden sie. Dafür tritt die Lebensfreude Ihres Kindes in den Vordergrund – und die ist oft ansteckend.
Für den Fall, dass andere Erwachsene interessiert nach Lenis Pumpe oder Sensor fragen, überlegen Sie sich schon jetzt eine Antwort, die gut zu Ihnen passt. Das schützt davor, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Ganz kurze sachliche Antworten sind meist besser als lange Ausführungen, die zu unerwünschtem Mitleid und unendlicher Neugier führen.
“Es ist ein ganz modernes System zur Diabetesbehandlung. Damit geht es Leni und uns sehr gut.” Vielleicht passt auch ein ganz anderer Satz besser zu Ihnen. Eine gute Vorbereitung macht selbstsicher und zeigt auch Leni, dass sie gut mit Diabetes leben kann.
Prof. Dr. Karin Lange ist Diplom-Psychologin und Fachpsychologin Diabetes DDG. Sie war bis 2023 Leiterin der Forschungs- & Lehreinheit Medizinische Psychologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Sie entwickelte diabetologische Schulungsprogramme, schreibt Leitlinien und schult Behandelnde.
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2017; 10 (1) Seite 22-23
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stephanie-haack postete ein Update vor 3 Tagen, 7 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Tagen, 8 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Tagen, 7 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
