- Ernährung
Bio-Lebensmittel – das sollten Sie wissen
5 Minuten

Sind Bio-Lebensmittel wirklich besser? Und stecken darin mehr Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe als in den konventionell hergestellten Pendants? Ist ein besserer Mensch, wer Lebensmittel mit Bio-Siegel auswählt? Gesund müssten sie doch auf jeden Fall sein, all die Bio-Sachen, die es mittlerweile auch in Discountern gibt. Worauf es bei Bio-Produkten wirklich ankommt, erklärt Ernährungsexpertin Kirsten Metternich.
Jeder vierte Bundesbürger kauft häufig oder ausschließlich Bio-Lebensmittel. Dennoch ist es, Untersuchungen zufolge, jedem Zehnten egal, ob eine Karotte bio oder konventionell angebaut wurde. Sicher ist: Meist bezahlt der Kunde für Bio-Waren mehr als für konventionell hergestellte – ganz gleich, ob beim Gemüsehändler, im Bio-Laden oder beim Discounter.
Bio – warum eigentlich?
Insbesondere Städter stehen auf bio und greifen hier deutlich öfter zu als Menschen aus ländlichen Regionen. Stellt sich die Frage, ob der gestresste Großstadtmensch sich zumindest ein gutes Gefühl kaufen möchte, wenn er das Bio-Fertigprodukt oder die Öko-Möhre aus Südamerika kauft.
Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es nicht, wenn es um den Kauf von Bio-Erzeugnissen geht: Sowohl für Männer als auch für Frauen steht bei der Entscheidung für bio der Eindruck von optimaler Frische und Qualität an erster Stelle, gefolgt vom natürlicheren Geschmack, von der Vermeidung von Pflanzenschutzmittelrückständen, fairen Einkommen für die Erzeuger und vom Beitrag zum Umweltschutz.
Erste Anlaufstelle: der Discounter
Dass Bio-Lebensmittel überwiegend auf dem Wochenmarkt oder im schnuckeligen Bio-Laden um die Ecke gekauft werden, ist eine Wunschvorstellung. Die Realität ist weitaus nüchterner: Deutsche Verbraucher kaufen bio bevorzugt im Supermarkt und im Discounter, obwohl sie wenig Vertrauen in die dort angebotene Qualität haben, heißt es im Bio-Lebensmittel Monitor 2015 des Marktforschungsinstituts Dr. Grieger & Cie. Nur jeweils etwa 9 Prozent der für den Monitor Befragten kaufen Bio-Lebensmittel im Bio-Laden oder im Bio-Supermarkt, weitere ca. 6 Prozent auf dem Wochenmarkt.
Erstaunlich: Zwar vertrauen in puncto bio nur 38,6 bzw. 20,3 Prozent auf Supermärkte und Discounter – trotzdem wird dort eifrig zugegriffen. Überlegen Sie mal: Die meisten von uns würden wohl kein Auto einer Marke kaufen, zu der sie kein Vertrauen haben. Aber bei Lebensmitteln, die schließlich in unserem Körper landen und unmittelbar für die Gesundheit eine zentrale Rolle spielen, ist das anscheinend nicht so wichtig. Hauptsache, es steht bio drauf!?
Bio-Convenience ist längst salonfähig
Wer an bio denkt, denkt an die artgerechte Haltung von Tieren und an Bauern, die jede Tomate von Hand ernten. Und der Weg von Obst, Gemüse, Eiern, Milch und Fleisch zum nächsten Markt oder Bio-Laden sollte selbstverständlich kurz sein. So ist es aber leider nicht: Auch Bio-Lebensmittel sind zu Massenware geworden, außerdem bieten Bio-Unternehmen inzwischen z. B. auch Fertiggerichte und gezuckerte Softgetränke an.
Ihre neuesten Kreationen präsentieren internationale Hersteller alljährlich auf der weltgrößten Messe für ökologische Konsumgüter, der BIOFACH in Nürnberg. Was als kleine Messe begann, hat sich zu einer großen Veranstaltung entwickelt: 2015 waren auf der BIOFACH 2.344 Aussteller vertreten. Es wird also für Verbraucher immer leichter, alles in Bio-Qualität zu erwerben, auch immer mehr Fertigprodukte (Convenience) werden angeboten.
5 Fragen zu Bio-Produkten bei Diabetes
Wer sein Gewissen mit Bio-Produkten beruhigen möchte, sollte kritisch sein. Und ob dann tatsächlich die Bio-Möhre statt der konventionell angebauten im Einkaufskorb landet, bleibt dem persönlichen Geschmack vorenthalten. Eines haben alle Produkte mit Bio-Siegel aber gemein: Sie sind völlig frei von Gentechnik. Sinnvoll ist es, den Jahreszeiten entsprechend einzukaufen, ganz gleich, ob die Lebensmittel “bio” oder “konventionell” sind. Das ist eine gesunde Sache – ebenso, wie selbst zu kochen.
Ist ein Bio-Produkt gesünder als ein konventionell hergestelltes Produkt?
Die Stiftung Warentest überprüfte im Dezember 2015 1 020 herkömmliche und 217 Bio-Produkte. Im Schnitt ist die Qualität sowohl von Bio- als auch von konventionellen Lebensmitteln gestiegen. Die getesteten Produkte bekamen in beiden Gruppen häufiger “gute” und “befriedigende” Gesamturteile und weniger “ausreichende” oder “mangelhafte”.
Bio ist nicht automatisch besser, schmackhafter oder gesünder als herkömmliche Lebensmittel. Was Verbraucher allerdings bedenken sollten: Bio-Obst und Bio-Gemüse sind selten mit Pflanzenschutzmitteln belastet, außerdem engagieren sich Bio-Anbieter meist stark für Tierschutz, schreibt die Stiftung Warentest.
Sind Bio-Produkte besser für Gewicht und Blutzucker?
Nein. Sie sind nicht zwangsläufig kohlenhydrat- und kalorienfreundlicher als Nicht-Bio-Produkte. Eine Kalorie ist eine Kalorie und schert sich nicht darum, ob sie aus Bio-Schokolade oder einer “normalen” Tafel kommt. Gleiches gilt für Bio-Zucker: Seine Wirkung auf den Blutzucker ist identisch mit herkömmlichem. Ganz gleich, ob bio oder konventionell: der Blick auf Zutatenliste und Nährwertanalyse ist ausschlaggebend, wenn es um die Berechnung der Kohlenhydrate geht.
Sind Bio-Lebensmittel vom Discounter genauso gut wie aus Bio-Läden?
Das hängt vom jeweiligen Bio-Siegel ab. Erzeugnisse beispielsweise von Bioland oder Demeter unterliegen strengeren Richtlinien als Produkte mit dem grünen EU-Siegel, die es meist im Discounter und Supermarkt gibt. Hinzu kommt: Im Fach- oder auf dem Wochenmarkt kann der Verkäufer Sie ausführlicher informieren. Diese Unterschiede spiegeln sich auch meist im Preis wider.
Warum sollte ich als Diabetiker überhaupt zu Bio-Produkten greifen?
Bio ist bei Diabetes nicht zwingend nötig. Das sollte eine individuelle Entscheidung bleiben. Wer ein knappes Budget hat, wählt besser saisonal aus. So haben Spinat oder Himbeeren während ihrer Hochsaison den höchsten Gehalt an Vitalstoffen, ganz gleich, ob sie aus einem Bio- oder aus einem konventionellen Betrieb stammen. Wichtig bei Diabetes ist vielmehr, täglich frisches Gemüse, Salat und etwas Obst zu essen.
Welche Bio-Siegel gibt es?
Eine Übersicht aller gültigen Bio-Siegel gibt es auf der Internetseite biodukte.de.
Erdbeeren und Tomaten auf Weltreise
Einen großen Wermutstropfen gibt es im weiter wachsenden Bio-Markt: die Rohwarenknappheit. Längst schaffen es die Bio-Bauern bei uns nicht mehr, genug zu produzieren, um den gesamten heimischen Markt zu bedienen. Obst und Gemüse, das das EU-Bio-Siegel trägt, muss nicht zwingend vom Bio-Bauern aus der Region stammen.
Viele Bio-Produkte haben also eine weite Reise hinter sich, bis sie bei uns ankommen. Auch der lange Transport belastet die Umwelt, und das können viele nicht mit ihrer persönlichen Vorstellung von bio in Einklang bringen. Stellt sich die Frage, ob es dann nicht sinnvoller ist, die konventionell angebaute Karotte zu kaufen, die dafür vom Bauern aus der Region oder zumindest aus Deutschland stammt.
Gibt es auch: bio “light”
Inzwischen gibt es viele verschiedene Bio-Siegel. Das kann für Verbraucher verwirrend sein. Ganz gut merken kann man sich, dass die meisten Anbauverbände (z. B. Biokreis, Demeter, Bioland, Ecoland, Gäa, Naturland) strengere Richtlinien haben als das EU-Bio-Siegel, das auf die EU-Öko-Verordnung zurückgeht.
Viele ökologische Verbände bezeichnen das EU-Siegel deshalb als “bio light”-Siegel. Einer der Gründe: Produkte mit EU-Bio-Siegel dürfen aus Betrieben stammen, die teils nach Bio-Richtlinien und teils konventionell arbeiten. Das ist bei den Anbauverbänden verboten. Für alle Bio-Produkte gilt aber, dass sie frei von Gentechnik sein müssen.
Anbauverbände oft strenger als Behörden
Der Verband Bioland und viele weitere Anbauverbände beschränken zudem die Zahl der erlaubten Produktionszusatzstoffe auf 23, in der EU-Öko-Verordnung sind hingegen 47 zugelassen. Bei Bioland verboten sind z. B. Farbstoffe, Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel. Zusatzstoffe werden zudem vor ihrem Einsatz geprüft: Kann darauf verzichtet werden? Gibt es Anzeichen für eine mögliche Gesundheitsgefährdung? Ist eine Verbrauchertäuschung durch den Zusatzstoff zu erwarten? Grünes Licht gibt es nur, wenn diese Fragen mit Nein beantwortet werden können.
Alles ganz schön kompliziert, oder? Vielleicht helfen Ihnen diese Fragen beim kritischen Einkauf von Lebensmitteln: Wo kommt das Produkt her? Wie stark ist es verarbeitet? Wie hoch ist der Kohlenhydrat- und Energiegehalt? Was sagt das aufgedruckte Bio-Siegel aus? Wie aufwendig ist das Produkt verpackt? Und was ist über Haltungs- und Anbaumethoden bekannt? Waren, die Ihren ganz persönlichen Test nicht bestehen, bleiben am besten im Laden.
Rezepte
von Kirsten Metternich von Wolff
Kirsten Metternich von Wolff hat eine ernährungsmedizinische Ausbildung mit Zusatzqualifikation bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Seit mehr als 20 Jahren arbeitet sie als freie Journalistin, Buchautorin und Referentin. Gesunde Ernährung bei Diabetes ist einer ihrer thematischen Schwerpunkte.
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2016; 65 (4) Seite 68-71
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kety22 postete ein Update vor 5 Tagen, 11 Stunden
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 1 Tag, 8 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 1 Woche, 5 Tagen
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In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 1 Woche, 4 Tagen
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?


