- Ernährung
Ernährungstipps: Wahrheit oder Mythos?
4 Minuten
Fake News – diesen Begriff für Falschmeldungen hören wir täglich. Solche Nachrichten gibt es auf jedem Gebiet. Bei wissenschaftlichen Studien bedeutet das oft: Verspricht eine Schlagzeile z. B. die Heilung einer Krankheit, lohnt sich ein genauer Blick. Ergebnisse einer Studie, sei es ein Tierexperiment oder eine Studie mit wenigen oder auch vielen Teilnehmern, gelten nämlich nicht zwangsläufig für alle Betroffenen. Umso wichtiger sind Informationsquellen, auf die Sie sich verlassen können und durch die Studienergebnisse fachlich richtig eingeordnet werden. Ernährungsberaterin Kirsten Metternich von Wolff erklärt Ihnen, was es mit so manchem gut gemeinten, aber falschen Ernährungsratschlag auf sich hat.
Milch ist schlecht für Erwachsene und Diabetiker vertragen kein Mehl. Deshalb sind alle Lebensmittel, die Mehl enthalten, bei Diabetes tabu. Wer genug saure Lebensmittel isst, gleicht damit einen zu hohen Blutzucker aus, und überhaupt ist Zucker pures Gift…
Täglich können wir auf solche Ratschläge stoßen, z. B. im Internet. Natürlich ist nicht alles falsch, was dort geraten wird, dennoch ist es sinnvoll, Empfehlungen genau zu prüfen. Wir haben uns umgeschaut und erklären Ihnen die Hintergründe weitverbreiteter Ernährungstipps. Klar ist: Häufig entpuppen sie sich als Mythen, als Märchen. Schauen wir gemeinsam, was dahintersteckt – auf geht’s!
Mythos 1: Diabetiker vertragen kein Mehl
Vielleicht ist Ihnen solch ein Ratschlag auch schon einmal begegnet? Fakt ist, dass Menschen mit Diabetes, sofern sie keine medizinisch diagnostizierte Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie, Sprue) haben, herkömmliches Mehl aus Weizen, Roggen, Dinkel, Grünkern oder Hafer essen können – und das, ohne im Anschluss z. B. mit Durchfall oder Magen-Darm-Problemen rechnen zu müssen. Allerdings sind solche Mehle Kohlenhydratlieferanten und müssen deshalb, je nach Sorte und Ausmahlungsgrad, als Kohlenhydrate (BE, KE) angerechnet werden.
Generell sind Vollkornmehle den weißen Auszugsmehlen vorzuziehen, da sie mehr Ballaststoffe enthalten und den Blutzucker moderater ansteigen lassen. Kurzum: Menschen mit Diabetes vertragen Mehl, sollten jedoch die Wirkung auf den Blutzuckerverlauf berücksichtigen.
Mythos 2: Milch- und Milchprodukte sind für Diabetiker nicht geeignet
Immer wieder wird behauptet, dass Milch und auch Joghurt, Kefir oder Quark dem menschlichen Organismus nicht guttun. Tatsächlich kann es vorkommen, dass z. B. Kuhmilch oder Eiscreme mit zunehmendem Alter nicht mehr so gut vertragen werden wie in jungen Jahren. Ursache hierfür ist häufig, dass mit steigendem Alter die Fähigkeit, Laktose (Milchzucker) zu spalten, sich ganz oder teilweise verliert. Das kann bei Menschen mit und ohne Diabetes gleichermaßen vorkommen.
Hier lohnt es sich, auszuprobieren, ob Magen-Darm-Beschwerden (z. B. Bauchschmerzen) nur nach dem Genuss von Kuhmilch, Eis, Sahne oder milchreichen Speisen wie Pudding auftreten oder auch, wenn Sauermilchprodukte wie Joghurt, Kefir, Buttermilch oder Quark sowie Käse gegessen wurden, die weniger Laktose enthalten. Für Menschen mit Diabetes wichtig ist wie immer der Kohlenhydratgehalt von Milch, Joghurt, Molke, Kefir, Buttermilch etc. und damit verbunden die Wirkung auf den Blutzucker.
Mythos 3: Topinambur ist eine natürliche Insulinquelle
Das ist eine gern verwendete Aussage, wenn Nahrungsergänzungsmittel mit dem Wurzelgemüse Topinambur angepriesen werden. Es wird dann z. B. behauptet, dass sich der Blutzucker mit Topinambur positiv unterstützen lässt. Doch das Geld für solche Produkte können Sie sich sparen: Es gibt kein Lebensmittel, das Insulin enthält. Außerdem könnte Insulin nicht unbeschadet durch Magen und Darm kommen, würde also auch nicht im Blut ankommen.
Was stimmt: Topinambur ist reich an Inulin, einem Ballaststoff – also nicht Insulin! Alle Ballaststoffe haben bekanntlich einen positiven Einfluss auf den Blutzuckerverlauf, so dass Blutzuckerspitzen gemildert werden können. Aber Topinambur im Austausch gegen Insulin für das Blutzuckermanagement einzusetzen, ist klar der falsche Weg. Damit ist es auch sinnlos, z. B. Topinambursaft zu trinken, um den Blutzucker zu senken.
Mythos 4: Sauerkrautsaft neutralisiert zu viel Zucker im Blut
Sauer mag zwar lustig machen, doch was saure Lebensmittel nicht können, ist, im Körper Zucker „auszugleichen“. Saurer Geschmack wird auf der Zunge wahrgenommen, allerdings nicht mehr im Magen-Darm-Trakt. Deshalb kann auch nicht pauschal behauptet werden, dass Menschen, die gern und regelmäßig Süßes essen, eher gefährdet sind, an Diabetes zu erkranken. Was Diabetes fördert, ist eine genetische Veranlagung, Übergewicht sowie ein insgesamt ungesunder Lebensstil, und das kommt sowohl bei Fans von süßen wie auch von herzhaften Speisen vor.
Mythos 5: Zucker ist pures Gift
Je weniger Zucker und mit Zucker hergestellte Lebensmittel gegessen werden, desto gesünder ist es für den Körper, also auch für den Blutzucker und die Zähne. Das gilt für Menschen mit und ohne Diabetes. Zucker ist kein Gift, doch zu viel Zucker schadet auf Dauer dem Körper, z. B. wenn dadurch Übergewicht, Zahnprobleme, erhöhte Triglyzeridwerte (Blutfette) und bei Diabetes ein instabiler Blutzuckerverlauf entstehen.
Deshalb empfehlen die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG), die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sowie die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) pro Tag eine maximale Zuckermenge von 10 Prozent der Gesamtenergiemenge. Dies entspricht bei durchschnittlichem Energiebedarf maximal 50 Gramm Zucker täglich und schließt z. B. auch die Konfitüre auf dem Brot ein, außerdem gesüßte Milchprodukte oder Fertigprodukte, die Zucker enthalten.
Je weniger süß und damit zuckerhaltig gegessen wird, desto leichter fällt es, die Mengen möglichst gering zu halten. Denn allein schon in jedem dritten Fertigprodukt ist Zucker in irgendeiner Form enthalten. Für Sie als Mensch mit Diabetes ist es wichtig, dass Zucker ausschließlich Kohlenhydrate sind und Sie damit verbunden den schnellen Blutzuckeranstieg durch Zucker berücksichtigen.
Mythos 6: Diabetiker dürfen kein süßes Obst essen
Frische Früchte sollten bei Diabetes täglich auf dem Speiseplan stehen – und zwar nicht nur in Form eines sauren Apfels. Auch z. B. süße Äpfel, Erdbeeren, Pfirsiche, Kirschen, Mangos oder Bananen sind möglich. Gut zu wissen: Wasserreiches Beerenobst und Papaya enthalten weniger blutzuckerwirksame Kohlenhydrate als Bananen, Trauben oder Kakis. Essen können Sie alle Sorten. Wie viel Gramm Kohlenhydrate jeweils in welchem Obst enthalten sind, lässt sich in Nährwert- und Kohlenhydrat-Austauschtabellen nachlesen.
Mythos 7: Ein Schnaps für gute Zuckerwerte
Besonders Hochprozentiges hat in der Tat eine blutzuckersenkende Wirkung. Trotzdem: Als Therapiemaßnahme ist Schnaps u. ä. bei Diabetes völlig ungeeignet. Die Wirkung von Alkohol kann 12 bis 20 Stunden andauern und so die Therapie durcheinanderbringen. Was nutzt es, sich selbst zu betrügen und zusätzlich auch noch die Leber zu belasten?
Schwerpunkt „Typ-2-Diabetes – Was ist das Gelbe vom Ei?“
- Interview: Typgerecht essen bei Typ-2-Diabetes
- Typ-2-Diabetes: Was sollte auf den Teller?
- Nein zu Eiern, Fleisch, Milch und Co – geht das?
- Ernährungstipps: Wahrheit oder Mythos?
von Kirsten Metternich von Wolff
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (4) Seite 28-31
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stephanie-haack postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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moira postete ein Update vor 3 Wochen, 4 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
