„Ich möchte möglichst wenig über meinen Diabetes nachdenken“

3 Minuten

© Roche Diabetes Care 2020
„Ich möchte möglichst wenig über meinen Diabetes nachdenken“

Das Leben genießen mit Diabetes – für Karin D. (56) ist das kein Widerspruch. Sie verrät, wie sie es schafft, entspannt ihren Alltag mit Diabetes zu meistern und dabei ihre Blutzuckerwerte im Griff zu haben.

Dass sie Diabetes hat, erfährt Karin eher zufällig. Sie ist damals 27 Jahre alt und hat gerade an der Abendschule ihre Ausbildung zur Bilanzbuchhalterin begonnen, als sie beim Arzt einen routinemäßigen Gesundheits-Check-up macht. Das Ergebnis: alles prima – bis auf die Blutzuckerwerte. Nach einigen Tests erhält sie die Diagnose Diabetes. Später stellt sich heraus, dass es sich um eine Form des seltenen Typs MODY handelt, der bei Karin mit einer Insulintherapie behandelt wird.

Zunächst ist Karin verunsichert. „Wie wird das: Ein Leben mit Diabetes? Ich wusste nicht, was da auf mich zukommt.“ Die Diabetes-Schulungen im Krankenhaus erweisen sich in dieser Phase als Rettungsanker für die junge Frau. Karin lernt, dass sie ihre Blutzuckerwerte regelmäßig messen und dokumentieren muss, weil diese Werte die Grundlage ihres Diabetes-Managements bilden. Sie versteht, dass ihre Werte möglichst lange Zeit in einem bestimmten Bereich liegen sollen, um gefährliche Über- und Unterzuckerungen sowie langfristig Folgeerkrankungen zu verhindern.

Außerdem erfährt sie, inwiefern Faktoren wie Ernährung, Sport, Reisen oder auch Stress ihre Werte beeinflussen können und wie sie ihre Therapie erfolgreich im Alltag umsetzen kann. „Und ich habe gelernt, meine Krankheit zu akzeptieren und offen damit umzugehen“, berichtet sie. „Das hat mir in dieser Zeit sehr geholfen.“

Karin will alles richtig machen

„Anfangs drehte sich alles um meinen Diabetes. Ich habe mich selbst unter Druck gesetzt, weil ich alles richtig machen wollte“, erzählt sie. Ernährung umstellen, Broteinheiten berechnen, Insulin spritzen, auf regelmäßige Mahlzeiten achten, Diabetestagebuch führen – für Karin fühlte sich ihr Diabetes wie ein Vollzeitjob an, der ihr kaum Zeit für die schönen Dinge des Lebens ließ.

Dazu kam, dass sie damals sieben- bis achtmal täglich ihre Blutzuckerwerte kontrollierte, was in dieser Häufigkeit gar nicht nötig war. „Ich habe alles so genau genommen, dass selbst mein Arzt meinte, dass ich nicht ganz so streng mit mir sein soll“, berichtet sie. „Damals empfand ich meinen Alltag mit Diabetes als anstrengend. Das lag an meiner Haltung, aber auch daran, dass das Messen damals noch nicht so schnell und genau funktioniert hat.“

Zwischen Disziplin und Genuss

Mit der Zeit wird Karin entspannter und findet ihren Weg zwischen Disziplin und Genuss. Dazu trägt auch bei, dass sie ein modernes Blutzuckermessgerät (Accu-Chek Guide) gefunden hat, das zu ihr und ihrem Leben passt: „Damit ist das Messen unkompliziert, und ich habe mit nur einem kleinen Tropfen Blut in Sekundenschnelle ein sicheres Ergebnis.“ Das kleine Messgerät ist zu ihrem ständigen Begleiter im Alltag geworden: in ihrem Beruf als Bankangestellte, bei der Gartenarbeit oder bei Ausflügen mit ihrem Mann im malerischen Unterfranken.

Dass sie beim Messen am Ball bleibt, zahlt sich aus: „Heute messe ich noch fünfmal täglich: morgens, abends und jeweils vor dem Essen. Durch das regelmäßige Messen habe ich nicht nur meine Werte, sondern auch meinen Körper besser kennengelernt. Ich weiß, wie mein Blutzuckerspiegel auf Bewegung reagiert und was ich essen kann. Deshalb muss ich mir keinen Kopf mehr machen und bin gelassener geworden.“ Nur unterwegs geht Karin lieber auf Nummer sicher. Bevor sie auf ihr E-Bike oder Motorrad steigt, prüft sie ihren Blutzucker lieber einmal zu oft als zu selten, um Unterzuckerungen zu verhindern.

Blutzuckermessen ist zur Routine geworden

Mittlerweile gehört das Messen so fest zu Karins Tagesablauf, dass sie es schon fast automatisch und nebenbei erledigt. Abends kontrolliert sie ihren Blutzucker oft noch auf der Couch, zum Beispiel wenn sie fernsieht oder ihre geliebten historischen Fantasy-Romane liest. Dann sorgt der beleuchtete Teststreifeneinschub dafür, dass die gemütliche Stimmung nicht gestört wird. Auch, dass das Gerät die Werte speichert, weiß Karin zu schätzen: „Mein Arzt liest die Daten dann einfach aus, und wir können gemeinsam meine Werte besprechen.“

Karin ist heute eine lebenslustige Mittfünfzigerin, die ihren Diabetes im Griff hat und die schönen Dinge des Lebens genießt: „Ich mag es entspannt und will möglichst wenig über meinen Diabetes nachdenken.“

Den Partner gefunden: die positiven Seiten des Diabetes

Neben ihrer Arbeit in einer Bank singt sie in einem Chor, verbringt viel Zeit in ihrem Garten am Mainufer und kocht gern für sich und ihren Mann, der ebenfalls Diabetes hat. Diesen hatte sie übrigens vor vielen Jahren im Wartezimmer bei ihrem Diabetologen kennengelernt. „Da soll noch einer sagen, dass Diabetes nicht auch positive Seiten haben kann“, lacht Karin.

„Aber im Ernst: Ich habe jetzt schon fast 30 Jahre Diabetes und keine Folgeerkrankungen. Dafür bin ich dankbar und auch ein bisschen stolz, weil ich durch das regelmäßige Messen meine Werte kenne und rechtzeitig reagieren kann. Heute kann ich sagen, dass ich die Balance für mein Leben mit Diabetes gefunden habe und mich rundum wohlfühle.“


von Redaktion Diabetes-Anker

mit Materialien von Roche Diabetes Care Deutschland

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (10) Seite 44-45

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  • kleisen postete ein Update vor 47 Minuten

    Ich kündige das Abo mit Ihnen zum nächstmöglichen Zetpunkt. Danke . Bitte bestätigen. Klaus Eisenschmidt, Bloherfelder str. 212D, 26129 Oldenburg

  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen

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