Kolumne | Zum guten Schluss: Die Diabetologie muss wieder ausreichend gefördert werden

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© Christian Mentzel
Kolumne | Zum guten Schluss: Die Diabetologie muss wieder ausreichend gefördert werden

Die Zahl der Diabetologinnen und Diabetologen sinkt, der Nachwuchs fehlt. Jana Einser mahnt in ihrer Kolumne vor einem drohenden Versorgungsengpass und stellt sich die Frage, warum die Diabetologie als Fachrichtung von der Politik nicht ausreichend gefördert wird.

Wenn ich an meine Kindheit denke, gehören dazu natürlich auch die Besuche bei den Ärztinnen und Ärzten, die sich mit meinen Eltern und mir um meinen Diabetes kümmerten. Zu Beginn fuhren wir von meiner Heimatstadt etwa 250 Kilometer Richtung Nordwesten zu einer Ärztin, die spezialisiert war auf die Betreuung von Kindern mit Diabetes.

Jahre später ging es mehrfach 500 Kilometer Richtung Nordosten, wo wir einen Spezialisten entdeckt hatten. Irgendwann kam ein neuer Direktor an unsere Kinderklinik, der sich auch gut mit Diabetes auskannte. Das ist inzwischen etwa 50 Jahre her. Heute kann ich zwischen verschiedenen Diabetologinnen und Diabetologen in meiner Nähe wählen. Aber ich darf mir nichts vormachen: Wenn mein Diabetologe in den verdienten Ruhestand geht, muss ich mir einen neuen suchen.

„Sprechende Medizin“ auf dem Abstellgleis?

Aber die Zahl der auf Diabetes spezialisierten Ärztinnen und Ärzte nimmt wieder ab, der Nachwuchs fehlt. Politisch scheinen nur noch medizinische Fächer gewollt zu sein, die den Kliniken viel Geld bringen – und das ist die Diabetologie als „sprechende Medizin“ nicht.

Also wurden und werden immer mehr Möglichkeiten der diabetologischen Ausbildung abgebaut und so Medizinstudierende nicht mehr ausreichend für die Diabetologie begeistert. Schon jetzt merke ich, dass es viel zu wenige Diabetologen gibt. Mein Diabetologe empfahl mir, bei meinem Termin im Frühjahr bereits alle Quartals-Termine für das Jahr 2024 zu vereinbaren.

Die Politik muss hier unverzüglich handeln und der Diabetologie den Stellenwert einräumen, den sie hat, und das Handeln der Ärztinnen und Ärzte entsprechend bezahlen – Diabetes, besonders Typ 2, ist nun einmal eine Volkskrankheit! Aber wir könnten auch Arztbesuche sparen: Warum soll ich, bloß wegen des Disease-Management-Programms, jedes Quartal in die Praxis?

Mit Zustimmung meines Diabetologen entscheide ich alles, was meine Diabetes-Therapie angeht, selbst. Mein HbA1c kann ich über mein System zum kontinuierlichen Glukose-Monitoring (CGM) hervorragend schätzen lassen – abgesehen davon, dass die Zeit im Zielbereich mir viel mehr Informationen liefert. Und die notwendigen Rezepte kann er mir auch elektronisch schicken. Ich hoffe, dass Politikerinnen und Politiker endlich verstehen, welche Hebel die richtigen sind – damit wir alle auch in 10, 20 und 30 Jahren die bestmögliche Versorgung bekommen können.

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

von Jana Einser

Jana Einser war ein fiktiver Charakter im Rahmen der Kolumne „Zum guten Schluss“, die von 2013 bis 2024 im Diabetes-Journal erschienen ist. Hinter der Rolle als Patientin mit Typ-1-Diabetes, die aus ihrem Leben berichtete, steckte ein echter Mensch, mit ähnlichem Hintergrund.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2023; 72 (4) Seite 82

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  • lena-schmidt postete ein Update vor 2 Wochen

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat, 1 Woche

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat, 1 Woche

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße